Mein erstes jüdisches Bilderbuch

mit Illustrationen von Jess Fogel



Mein erstes jüdisches Bilderbuch, HG Nea Weissberg

Endlich ist es da, ein Bilderbuch für die ganz Kleinen aus der jüdisch-religiösen Alltagswelt: ein Bilderbuch ohne Teddy, Puppe, Auto, Tannenbaum und Osterhase, statt dessen: Kippa, Tallit (Gebetsschal), Kidduschbecher, Schabbatleuchter und vieles mehr, anschaulich und kindgerecht in zarten Farben illustriert von Jess Fogel.

Jahrzehntelang musste man sich in jüdischen Kreisen mit Importen aus den USA und Israel begnügen, wollte man seinem Kind von Anfang an etwas greifbar Jüdisches vermitteln. Und selbst da war die Auswahl besonders für Kleinkinder eher beschränkt bzw. nicht existent. Wegen der geringen Anzahl von Juden, die bis ungefähr 1990 in Deutschland lebten, hätte sich der Aufwand einer eigenen Kinderbuchproduktion auch wohl kaum gelohnt. Das hat sich, zumindest, was die Zahlen angeht, seither sehr verändert. Zwar leben im Jahr 2012 in ganz Deutschland nicht einmal so viele Juden, wie es sie vor 1933 allein in Berlin gab. Dennoch ist ein Wiederaufleben von Jüdischem im ganzen Land zu spüren. Die Juden in Deutschland haben ihre Koffer ausgepackt. In den größeren deutschen Städten mit einer etwas größeren jüdischen Gemeinde werden jüdische Kindergärten eingerichtet, in einer Hand voll deutscher Städte gibt es mittlerweile jüdische Grundschulen und in ein oder zwei oder drei Großstädten sogar ein jüdisches Gymnasium. Damit ein jüdisches Kind dahin gelangen kann, muss Vorarbeit geleistet werden, in den Familien und auch in den Kindergärten. Einfallsreichtum und Geschick sind gefragt, um schon die ganz Kleinen auf ein Leben als Mensch und in unserem Fall außerdem als jüdischer Mensch vorzubereiten. Mehr als dankbar wird daher die berühmte jiddische Mamme für ihr eigenes Kind oder aber für ihre Enkel zu dem wunderschönen ersten jüdischen Bilderbuch greifen, das Nea Weissberg in ihrem Lichtig Verlag gerade auf den Markt gebracht hat. Auf 8 Doppelseiten, auf starkem, abwaschbarem Karton, stellt sie mithilfe von klaren Bildern eine erste Auswahl jüdischer Gegenstände vor, die ein jüdisches Kind im Laufe seines ersten und zweiten Lebensjahres erleben dürfte. Die ersten beiden Abbildungen zeigen Tallith und Kippa, also jene beiden Gegenstände, die gleich am frühen Morgen begegnen, beide markiert mit einem Magen David, einem „Davidstern“, der mit seinen vielfarbigen sechs Seiten als Nächstes fröhlich grüßt. Der Schabbath, der höchste jüdische Feiertag, nimmt gleich die nächsten vier Seiten ein: Auf grünem und gelbem, beigem und rosa Hintergrund präsentieren sich Kiddusch-Becher und Pamotej-Schabbath, die Schabbath-Leuchter, Challa-Deckchen und Challa, der Hefezopf für den Schabbath. Und auch zwei weitere jüdische Feiertage sind vertreten: Pessach in Gestalt eines gedeckten Seder-Tellers und einem Karton mit Matzen, dem sich die Chanukkija und der Dreidel anschließen. Den Abschluss bilden ein rotes Kabbala-Armband und die Chuppa, unter der Braut und Bräutigam stehen, auch sie vor gelbem bzw. grünem Hintergrund. Den hinteren Buchdeckel ziert eine Mesusa, das „Röhrchen aus Metall, ... darin eine winzige handgeschriebene Pergamentrolle ...“, wie der in Jüdischem Unerfahrene in dem Glossar erfährt, der, das ist eher ungewöhnlich für ein Bilderbuch für die Kleinsten, aber durchaus sinnvoll, auf zwei Seiten am Ende dieses Bilderbuches die Abbildungen noch einmal aufgreift und erklärt, was jede Abbildung genau darstellt. Die Abbildungen selbst sind klar und geradlinig, ohne unnötige Schnörkel, und auch für die Beschriftung, auf Deutsch und auf Hebräisch, wurden klare, schnörkellose Buchstabentypen gewählt, die sich dem Auge schnell einprägen dürften. Zweifellos ein nützliches und ansprechendes erstes jüdisches Bilderbuch, das in keinem jüdischen Haus mit Kleinkindern nicht fehlen sollte, aber hoffentlich auch hier und da in nichtjüdischen Häusern anzutreffen sein könnte.

Miriam Magall / "Jüdische Zeitung", Dezember 2012



Nea Weissberg (Hg.): „Mein erstes jüdisches Bilderbuch“
Illustrationen: Jess Fogel
Lichtig-Verlag, Berlin 2012
ISBN 978-3-929905-27-4
Preis: EUR 14,90

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